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Gratulationsbild von Richard Schürz
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ARTIKEL:

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1.3.2006

Welser Rundschau

Richard Schürz, 80. Geburtstag

Das 80. Lebensjahr vollendete Richard Schürz.
Gratulationsartikel: Welser Rundschau, 1.3.2006

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21.2.1926

Wiener Morgenzeitung

Die Berufsplauderin.

Die Frau, die für Geld plaudert und beruflich Konversation macht, ist eine Londoner Einrichtung. Es ist eine Frau, die nicht zu jung und nicht zu alt sein darf, sympathisch, schlicht und doch elegant ist, der besten Gesellschaft angehört, aber kein Vermögen besitzt und infolgedessen sich ihren Lebensunterhalt verdienen muß.

Nur die Gastgeber selbst wissen, daß sie Plauderin von Beruf ist; für die Gäste ist sie natürlich ein Gast wie die anderen und als Gast wird sie aufgenommen, begrüßt und vorgestellt. Ihre Aufgabe ist, mit Takt und Intelligenz den gefürchteten "Engel des Schweigens" zu entfernen. Mit Klugheit richtet sie es ein, daß auch Widerstrebende und Leute, die sonst nichts aus sich heraus geben, in die Unterhaltung gezogen werden; Gäste, die merken lassen, daß sie leicht zueinander finden könnten, bringt sie geschickt und unmerklich zusammen und immer ist sie auf der Suche nach neuen Gesprächsstoffen, die die Gäste interessieren oder amüsieren könnten.

Wie man sieht, eine Aufgabe, die durchaus nicht leicht ist.

Eine dieser Berufsplauderinnen sagte vor kurzem zu einem Londoner Journalisten: "Ja, das Plaudern ist, wie ihr Herren der Schöpfung immer betont, eine echt weibliche Eigenschaft, aber die Rolle einer Berufsplauderin ist darum doch nicht sehr angenehm. Denken Sie nur: Ich muß, um keine Dummheiten zu sagen, die ja nicht bloß meine Aufgabe vereiteln, sondern meinen ganzen geschäftlichen Ruf untergraben würden, über alles auf dem laufenden sein, ich muß über Hindernisrennen und Boxkämpfe, über die neuesten Tänze und die neueste Politik, über Flugwesen und Hundezucht, über die Vorgänge im chinesischen Hexenkessel und über die jüngsten Ausgrabungen in Aegypten unterrichtet sein.

Ich muß allen ersten Bühnen- und Kinoaufführungen beiwohnen, von der literarischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Bewegung Kenntnis haben und täglich die wichtigsten Tageszeitungen und die bekanntesten Zeitschriften lesen. Ich muß - das versteht sich wohl von selbst - immer elegant sein. Nun, ist das nicht gerade genug."

Die Berufsplauderin wird nicht umhin können, sich auch den Hof machen zu lassen, aber sie darf eigentlich keinem Mann den Vorzug vor anderen geben. Sie verläßt das Haus erst mit den letzten Gästen und erhält am nächsten Morgen in einem verschlossenen Briefumschlag den Lohn, den sie sich mit ihrem "Geschwätz" verdient hat. Dieser Lohn ist sehr verschieden, aber fast immer sehr gut und manchmal sogar erstaunlich groß.

Kürzlich erst erhielt in London eine Berufsplauderin hundert Pfund Sterling, weil sie an einem Gesellschaftsabend einen großen Bankier der City, der wegen seiner Schweigsamkeit und seiner starken Abneigung gegen gesellschaftliche Veranstaltungen bekannt ist, so lebhaft zu interessieren wußte, daß er beim Abschied sagte: "So gut habe ich mich schon lange nicht mehr unterhalten."

Historischer Zeitungsartikel: Wiener Morgenzeitung, 21.2.1926

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