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Gratulationsbild von Maria Kolb
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ARTIKEL:

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12.4.2006

Welser Rundschau

Maria Kolb, 80. Geburtstag

Das 80. Lebensjahr vollendete Maria Kolb, Grünbach 34.
Gratulationsartikel: Welser Rundschau, 12.4.2006

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8.4.1926

Wiener Morgenzeitung

Warum Frauen ihre Meinung ändern.

Der Mann, der so lange in der Hauptsache das Urteil der Welt bestimmt hat, schreibt mit einer gewissen Verachtung der Frau das Vorrecht zu, ihre Meinung beliebig verändern zu dürfen. Er leitet daraus seinen Glauben an die Launenhaftigkeit und Willkür des weiblichen Geschlechtes her.

Aber wenn die Frau plötzlich eine Anschauung, die sie leidenschaftlich verteidigt hat, aufgibt und das Gegenteil behauptet, wenn sie in elfter Stunde noch ihren Entschluß ändert, so hat der Mann gar keinen Grund dazu, sich darüber lustig zu machen, denn in neuen von zehn Fällen wird er nachher sagen müssen, daß die Frau richtig gehandelt hat. Wenn Frauen ihre Meinung häufiger wechseln als Männer, so ist das noch durchaus kein Beweis für ihren "wetterwendischen" Sinn, sondern es ist eher ein Beweis dafür, daß das weibliche Geschlecht sich reiflicher die Dinge überlegt als das männliche, daß es weniger hartnäckig und eigensinnig ist.

Da die Frau zweifellos impulsiver ist als der Mann, so wird sie auch rascher und leichter ihre Anschauungen äußern; sie besitzt aber auch dafür den Mut, es frei zuzugeben, wenn sie sich geirrt oder bekehrt hat. Der Mann, der auf die Festigkeit seiner Ansichten so stolz ist, hält mit ebenso viel Zähigkeit an der richtigen wie an der falschen Meinung fest.

Die Frauen aber haben als die wahren Philosophen längst erkannt, daß die Wahrheit nicht immer im Beharren bei dem einmal gefaßten Urteil liegt; sie wissen, daß das, was heute richtig ist, morgen falsch sein kann, und sie haben die freie Beweglichkeit, die Bescheidenheit, ihre Irrungen einzugestehen. Gerade in unserer Zeit, wo sich die Formen des Lebens und die Anschauungen so rasch ändern, ist es besonders notwendig, seine Meinung über alle Dinge des Daseins zu revidieren und vernünftigen Gegengründen zugänglich zu sein.

Daher ist die Veränderlichkeit der Frau eher ein Vorzug, den sich die Männer mit ihrem starren Beharren zum Muster nehmen sollten. Selbst wenn die Dame an geringfügigen Dingen mehrmals ihren Entschluß wechselt, bevor sie die endgültige Entscheidung trifft, so hat der Mann gar keinen Grund dazu, sich darüber lustig zu machen. In Dingen der Mode, die man besonders für die Launenhaftigkeit des Frauengeistes heranzieht, sind ja die Veränderungen so plötzlich und schwerwiegend, daß die Frau darauf besondere Rücksicht nehmen muß.

Wenn sie es sich daher erst dreimal überlegt, bevor sie den Hut kauft, so erwägt sie sorgfältig das Für und Wider, um die richtige Entscheidung zu treffen. Wenn die Frau ihre Meinung ändert, so ist das ein Zeichen, daß sie immer von neuem über eine Sache nachdenkt, was man von dem so rasch entschlossenen Mann nicht immer sagen kann.

Historischer Zeitungsartikel: Wiener Morgenzeitung, 8.4.1926

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